Editor’s Note:  There is also an english version available for this article.

 

 

Im Juli plante ich für den darauf folgenden Monat eine mehrwöchige Reise durch Schottland, das heißt zeitgleich zur Frankreichrundfahrt. Ich würde also nicht nur die Fussball Weltmeisterschaft verpassen, sondern vor allem meine geliebte Tour de France nicht verfolgen können. Was tut man nicht alles für die Fotografie! Im Screenshot (Bild unten) ist die geplante Tour zu sehen. Diese grobe Route erstreckt sich über ca. 2200 Kilometer. Mit allen Erkundungstouren, Umwegen und der Strecke Leipzig-Amsterdam-Leipzig kam ich am Ende auf gute 4500 Kilometer.

 

 

Scotland Photo Tour - Route

 

 

Im Vorfeld fand sehr viel Planung und Vorbereitung statt. Ich habe online (z.B. bei 500px, deviantArt, Flickr, Google) viele mögliche Fotospots gescoutet, mir die Sonnenauf- und untergangszeiten in The Photographer's Ephemeris angesehen und nach diesen Aspekten dann die ungefähre Route zusammengestellt. Um möglichst flexibel auf das sich ständig wechselnde Wetter und meine Eigenmotivation reagieren zu können, habe ich nur die Fähre für die Hinfahrt gebucht, keine Hotels, Hostels, B&Bs oder ähnliches und auch keine Fähre für die Rückfahrt. Selbst der Zeitrahmen war nur grob auf ca. zwei bis vier Wochen eingegrenzt und das auch nur, da schon die nächste Reise für danach fest gebucht war. Da man in Schottland nicht mit dem Euro, sondern mit Britischen Pfund zahlt und da einige entlegende Tankstellen im Norden z.B. nur Bargeld akzeptieren, sollte man am besten schon vor der Reise Geld tauschen. Nur die Kreditkarte mitnehmen reicht nicht. An einen Stromadapter für die Fähren und Hotels sollte man ebenfalls denken. Ich hatte einen Wechselrichter im Auto und konnte so während der Fahrt das Mobiltelefon, Netbook und die Kameraakkus ständig laden. Das hat einwandfrei funktioniert. Dann war noch der übliche Papierkram wie bei jeder Auslandsreise zu überprüfen, d.h. zum Beispiel Auslandskrankenversicherung, Mobilitätsgarantie für das Auto, Versicherungskarte, Gültigkeit (und Kopie) vom Ausweis usw.

 

 

Quiraing - Mein Übernachtungsplatz in Norden der Insel Skye

 

 

Da diese Reise ein Auto-Camping-Roadtrip werden sollte und ich überwiegend auch im Auto übernachten wollte, war zusätzlich an Isomatte, Schlafsack, Zelt, Decken, Werkzeug, Luftpumpe, Gaskocher (+ ausreichend Campinggas) und natürlich auch die Verpflegung selbst (Wasser, Kaffee, Tee, Konserven, Müsli, Riegel usw.) mit entsprechendem Geschirr und einigen nützlichen Küchen- und Haushaltsutensilien, die man auf so einem Trip braucht, zu denken. Neben der ganzen Campingausrüstung, den Nahrungsmitteln, Pflegeprodukte (ganz wichtig Mückenspray), Lesestoff und der Kleidung musste auch noch genug Platz für meine Kameraausrüstung und zum Schlafen bleiben. Das war gar nicht so einfach, aber mit ein bisschen Tetris im Auto mit den ganzen Kisten und Taschen lies es sich schlussendlich arrangieren.

 

Die Kameraausrüstung bestand aus einem 5D MkII Body*, Linsen von 17mm bis 200mm, 4 Akkus, Kabelauslöser, Polariser* und Grauverlaufsfilter*, 2 Stative, Ladegeräte, ca. 30GB an CF Karten, einer weiteren kleinen Kamera, das Netbook mit externer Platte zum Rücksichern der Rohdaten, Reinigungstücher, Lenspens und einem großen Kamera-/Wanderrucksack um auf den Wanderungen alles tragen zu können. Das alles im Auto zusammengefercht sah dann ungefähr so wie im Bild unten aus. Für die Wetterprognose hatte ich mir ein extra Datenroamingpaket bei meinem Mobilfunkanbieter dazugebucht, was aber leider nutzlos war, da ich in Schottland so gut wie nirgends mobil mit dem Handy online gehen konnte.

 

Soviel also erstmal zur Planung im Vorfeld. Nachdem dann alles eingekauft, vorbereitet und die Fähre gebucht war, ging es Anfang Juli endlich los!

 

 

Übernachtungsplatz an der Nordküste Schottlands

 

 

Nach einer kurzen Nacht und einer sieben-stündigen Autofahrt durch strömenden Regen mit einigen Staus und Umleitungen kam ich noch rechtzeitig in Amsterdam an, von wo aus es dann am Abend losging Richtung Newcastle. Die Überfahrt war in der Nacht ziemlich unruhig mit rauem Seegang. Unerwarteter Weise war das Meer dann morgens ohne spürbaren Wellengang und ich konnte mir in Ruhe einen Kaffee an Bord gönnen und hab die Einfahrt nach Newcastle genossen. Im Gegensatz zu Deutschland am Vortag gab es keinen Regen und nur vereinzelte Wolken, dazu die frische Meeresluft. Klasse.

 

Nach ca. 30 Stunden Anreise ging es dann in Newcastle mit dem eigentlichen Roadtrip / Fototour los. Und eine Premiere für mich, das erste Mal Linksverkehr. Auf den ersten 10 Kilometern waren gefühlt auch gleich 200 Kreisverkehre, teilweise dreispurig und dichter Großstadtverkehr. Wenn man es erstmal ruhig angehen lässt, gewöhnt man sich jedoch recht schnell an die Umstellung. Vom Hafen aus ging es ziemlich direkt zur ersten Location meiner Route, zum Hadrians Wall im Northumberland Nationalpark (Bild unten).

 

 

 

 

Die ganze Gegend hat mir auf Anhieb so gut gefallen, dass ich mich relativ schnell entschlossen habe die erste Nacht dort zu verbringen. Es erinnerte mich irgendwie alles sehr stark an die Herr der Ringe Filme, speziell an Hobingen und The Shire. Den Tag habe ich größtenteils damit verbracht den Hadrians Wall abzulaufen. Zum Beispiel war ich am berühmten Robin Hood Baum und habe die Location nach Bildkompositionen für den Sonnenuntergang abgesucht. Den Rest der Zeit habe ich mir mit Lesen vertrieben. Am Ende des ersten Tages wurde ich dann mit diesem farbenfrohen Sonnenuntergang belohnt.

 

Nach einer recht erholsamen Nacht im Auto und einem ausgiebigen Frühstück ging es dann weiter Richtung Highlands. Die Route ging durch Glasgow und am Loch Lomond vorbei, wo ich bei Inveruglas bei feinstem Wetter eine erfrischende Kneipptour im See gemacht habe um mich abzukühlen. Der nächste Stop war am Rannoch Moor, wo ich ein paar schöne Lichtverhältnisse einfangen konnte. Weiter am Highlands Highway entlang habe ich einen kurzen Halt an der Glencoe Mountain Station gemacht und einen Schnack mit ein paar Deutschen aus Hamburg gehabt. Dann ging es weiter zum Scouten der Location für den Sonnenuntergang, den Stob Dearg im Buachaille Etive Mòr. Da danach immer noch ausreichend Zeit war und ich nicht einfach nur rumsitzen wollte, ging es runter zum Glencoe Visitor Center und weiter zum Stalker Castle, wo ich aber keine vernünftige Bildkomposition finden konnte. Irgendwann ging es dann wieder zurück zum Glen Etive. Dieses Mal hielt ich auch an den Three Sisters (Bild unten) und fotografierte bis zum Sonnenuntergang vor dieser wundervollen Bergkulisse und bei faszinierenden, sich ständig ändernden Wolken- und Lichtstimmungen. Die Nacht habe ich dann dort in den Bergen verbracht. Am Morgen war der grandiosen Aussicht allerdings nichts mehr zu sehen. Alle Gipfel ringsum waren in Wolken eingehüllt und es regnete. Das sollte sich auch in nächsten Tagen nicht mehr ändern.

 

 

 

 

Als ich die Warterei auf besseres Wetter irgendwann nicht mehr aushielt bin ich weiter Richtung Malaig gefahren, wo ich mir einige Strände angucken und auf dem Weg auch gleich das Glenfinnan Viaduct (bekannt aus den Harry Potter Filmen) fotografieren wollte. Da es aber immer noch Bindfäden regnete und ich auch irgendwie kaputt und recht müde war, habe ich mir in Fort William ein Hotel gesucht und mir in Ruhe den Ort angeguckt und mal mit der Heimat telefoniert. Die zahlreichen Stiche der Midgets, die ich in der Zeit in Glencoe kassiert habe, machten mir auch ziemlich zu schaffen. Meine Arme waren komplett zerstochen! Ich brauchte eine Dusche und wollte ein warmes Zimmer mit vier Wänden und einfach mal wieder ein richtiges Dach über dem Kopf haben bei dem miesen Wetter.

 

Am nächsten Tag hatte sich das Wetter zum Glück wieder beruhigt und ich konnte weiter fahren. Es ging dann zum Glenfinnan Viaduct, um die Location und Zugzeiten vor Ort zu checken. Ich bin zum Aussichtspunkt hochgelaufen und habe mir ausgerechnet wann ich dann später ungefähr wieder am Parkplatz sein muss, um rechtzeitig wieder hochlaufen zu können, bevor der Zug kommt. Die Zeit bis dahin habe ich genutzt und bin noch ca. 30 Kilometer weiter westlich gefahren und habe mir die Strände von Arisaig angesehen, bin rumgelaufen, habe die frische Meerluft genossen und ein paar Fotos geschossen. Dann ging es wieder zurück. Nachdem ich wieder zum Aussichtspunkt hochgelaufen bin ging dann die Warterei los. Neben ein paar Deutschen hatten sich noch allerlei andere Nationalitäten eingefunden und bereit gemacht einen Schnappschuss zu erhaschen. Natürlich hatte der Zug ordentlich Verspätung, aber irgendwann kam er dann doch noch und ich hatte ein Bild.

 

 

 

 

Wieder zurück zum Auto und dann ging es weiter Richtung Dornie und dem Eilean Donan Castle, eine Burg die man aus Filmen wie Highlander oder Braveheart kennt. Wie zu erwarten war, waren auch am Abend noch sehr viele Touristen unterwegs, was menschenleere Aufnahmen der Burg schwierig machte. Nach ein paar Stunden scouten ging es dann aber doch noch mal weiter Richtung Quiraing, eine meiner absoluten Top Locations der gesamten Reise. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage sagte nämlich nur Regen für die Ilse of Skye für die kommenden Tage voraus. Also habe ich kurzerhand umgeplant, die blaue Stunde am Eilean Donan Castle verschoben, nochmal eine Stunde Fahrt Richtung Westen draufgelegt um das gute Wetter für das Quiraing zu nutzen und wurde dafür auch tatsächlich mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt (Bild unten). Ziemlich zufrieden und kaputt habe ich die herrliche Aussicht, Abgeschiedenheit und Ruhe dort für einige Stunden genossen. Die ganze Zeit, in der ich dort oben war, habe ich weit und breit niemand anderes gesehen, ausser einigen Schafen und die vielen nerveneden Mückenschwärme natürlich.

 

 

 

 

Die Wettervorhersage sollte recht behalten und so regnete es die kommenden Tage fast ohne Unterbrechnung. Da mir rumsitzen im Auto irgendwann wieder zu langweilig wurde bin ich rumgefahren und habe mir in Ruhe Orte wie Broadford und Kyleakin angeguckt. Aufgrund der Wettervorhersage für die nächsten Tage, habe ich bei ca. 10 Hotels, Hostels und B&Bs versucht ein Zimmer zu bekommen - vergeblich. Wenigstens konnte ich hier und da gratis Wifi anzapfen. Ein wenig frustriert bin ich die nächsten Tage einfach weiter in der Gegend rumgefahren, unter anderem nach Elgol in der Hoffnung, dass es dort zum Sonnenuntergang etwas aufzieht und ich zur Abwechslung mal wieder die Kamera in die Hand nehmen und ein Bild machen kann. Wenn man die ganze Zeit alleine unterwegs ist, weit weg von zuhause und allem bekannten, müde und ohne feste Unterkunft, kann einem so ein tagelanger Regen und die starken Winde schon ganz schön zusetzen. Da hilft es ungemein, wenn man mal wieder ein Erfolgserlebnis mit der Kamera hat und sich vor Augen führt warum man sich diese Art zu reisen überhaupt ausgesucht hat. In solchen Momenten sind positive Gedanken gut für die eigene Moral. Es zog dann auch am Abend zwar nicht wirklich auf, aber wenigstens ließ der Regen nach und ich konnte das folgende Bild vom Strand bei Elgol und den Cullin Hills im Hintergrund, bei weichem Licht und ein wenig Drama im Himmel, mitnehmen.

 

 

 

 

Irgendwann war der Dauerregen dann endlich vorbei und es ging weiter Richtung Norden auf der Ilse of Skye zu den Fairy Pools und der Talisker Distillery. An diesen Spots waren mir allerdings zu viele Touristen. Im Kontrast dazu erinnerte mich die ganze Szenerie auf Skye mit den schroffen Bergen, Fjorden und frei laufenden Schafen überall sehr stark an Island. Es ist nicht ganz so menschenleer wie im hohen Norden, aber immernoch weit entfernt von dicht besiedelt. Weiter ging es über endlose Single Track Roads, durch Kuh- und Schafsherden, die hier und da einfach mitten auf der Straße stehen, weiter zum Neist Point. Die zerklüfteten Berge und schroffen Klippen dort waren sehr beeindruckend. Der Krach der zahlreichen dort nistenen Seevögel war ohrenbetäubend. Mit dem Licht hatte ich leider nicht so viel Glück, aber wenigstens waren da keine Midgets. Weiter Richtung Norden gab es beeindruckende Landschaften und tolle kleine Orte wie beispielsweise Uig zu sehen.

 

 

 

 

In den folgenden Tagen habe ich noch ein paar Locations an der Ostküste der Ilse of Skye, wie den Kilt Rock Wasserfall (Bild oben) und den bekannten Old Man of Storr, fotografiert. Letztere Location war eher enttäuschend. Der Wald unten war abgeholzt, starker und kalter Wind oben und immer wieder Regen. Nachdem ich alle Berge und Hänge ringsum hochgekrackselt bin, verschiedene Bildkompositionen probiert hatte, das Licht aber nie wirklich mitspielen wollte, habe ich die Location abgehakt. Zu diesem Zeitpunkt der Reise hatte ich keine Motivation mehr, nochmal morgens bei so geringen Erfolgsaussichten, zum Storr hochzusteigen. Mit durchnässter Kleidung und ohne, dass ich mir (aufgrund der starken Winde und des Regens) eine warme Mahlzeit auf dem Kocher zubereiten konnte, beschloss ich erstmal weiter bis Ullapool zu fahren und mir dort ein Hotel zu suchen. Auf dem Weg dorthin habe ich mir noch die kleine aber beschauliche Hafenstadt Portree angesehen und das Foto vom Eilean Donan Castle während der blauen Stunde nachgeholt (Bild unten).

 

 

 

 

In Richtung Ullapool ging es wieder stundenlang über Single Track Roads durch die Highlands, vorbei an vielen beeindruckenden Landschaften. Am späten Nachmittag kam ich dort an und habe erstmal versucht noch ein Zimmer zu bekommen. Hier hatte ich mehr Glück! Bei der dritten Unterkunft hat es geklappt, ich bekam das letzte freie Zimmer. Zwar nur mit Gemeinschaftsbad- und Toilette aber besser als die Nacht wieder draussen im Regen zu verbringen. Am Hafen habe ich dann noch ein zweites Mal Fish&Chips probiert, aber genau wie beim ersten Versuch waren auch die wieder so dermaßen fettig, dass ich es nicht aufessen konnte. Und dabei esse ich eigentlich gern reichhaltig. Am folgenden Tag habe ich mir dann noch den wohl schlechtesten Burger aller Zeiten geholt! Und das an meinem Geburtstag. Das Essen in Schottland war gelinde gesagt echt gewöhnungsbedürftig. Vielleicht hatte ich auch nur Pech mit den Restaurants, wer weiß. Ich war ja schließlich auch nicht wegen des guten Essens dort. Den Rest der "Regenzeit" habe ich wieder mit telefonieren, lesen, spazieren gehen und im Wifi des Hotels verbracht. Als das Wetter besser wurde habe ich vom idyllischen Ullapool aus einige Tagestouren unternommen. Eine der Routen ging über Gairloch bis Torridon über tolle Panoramastraßen mit gradiosen Aussichten über Berge, Fjorde und Seen. Das Wetter hat auch mitgespielt und so konnte ich auch mal einige Schönwetter-Fotos wie zum Beispiel dieses vom Loch Maree (Bild unten) mit seinem schönen whiskyfarbenen Wasser aufnehmen. An solchen Tagen macht so ein Trip wieder richtig Spaß! Man kann rumfahren, die Gegend erkunden, sich in aller Ruhe tolle Landschaften angucken, Fotos schießen und einfach die frische Luft und tollen Aussichten genießen.

 

 

 

Weiter Richtung Torridon in der Nähe des Loch Clair fand ich tolle Spiegelungen im Wasser. Es gab auch keinen Wind, sodass das Wasser, wie im Bild unten zu sehen ist, glatt wie ein Spiegel war. Als das Licht weg war bin ich dann zurück zum Hotel gefahren. Dort war ordentlich Krach angesagt, da eine Liveband zu Gast war und ich natürlich das Zimmer genau über dem Pub hatte. Dank meiner Ohropax war die Nacht aber trotzdem recht erholsam.

 

 

 

 

In den nächsten Tagen habe ich einfach mal die Sonne genossen, am Hafen Leute beobachtet und später die Gegend nördlich von Ullapool rund um den Stac Pollaidh erkundet, welchen ich in den nächsten Tagen besteigen wollte. Allerdings hatten die Sonne und die damit einhergehende Wärme nicht nur positive Auswirkungen. Nach einem längeren Halt auf einer meiner Erkundungstouren nahm ich dann beim Fahren im Auto einen würzig-fettigen Geruch wahr und hielt gleich bei der nächsten Möglichkeit wieder an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Durch die direkte Sonneneinstrahlung auf dem letzten Parkplatz war ein Teil meiner frischen Vorräte geschmolzen. Insbesondere der Käse und die Butter hielten den Temperaturen nicht stand und liefen aus. Die nächsten Stunden verbrachte ich damit die Überreste zu beseitigen und irgendwie wieder alles halbwegs sauber zu bekommen. Der Geruch war aber auch noch die folgenden Tage im Auto wahrzunehmen und hing mir die ganze Zeit über irgendwie in der Nase. Für das Schlafen im Auto ist das nicht sehr vorteilhaft, aber zum Glück hatte ich für diese Nacht ein Hotelzimmer.

 

Als die Wettervorhersage dann gepasst hat, bin ich los und hab mich an den Aufstieg zum Stac Pollaidh gemacht. An dem Abend war es zwar trocken aber dafür blies ein unglaublich starker und kalter Wind. Wenigstens waren dadurch die Midgets mal kein Problem. Ich hatte meine dicke Winterwanderhose und Winterjacke an und obwohl der Aufstieg recht lang und anstrengend war, war mir definitiv nicht zu warm als ich oben ankam und im kalten Wind stand! Die Aussichten vom Stac Pollaidh entschädigen aber für alle Strapazen, siehe Bild unten. Auf dem Gipfel habe ich eine ganze Weile zugebracht, unzählige Fotos in dem intensiven Sonnenuntergangslicht geschossen, bis es schließlich dunkel wurde und ich mich an den Abstieg gemacht habe. Gegen 12 Uhr nachts war ich wieder im Hotel und habe geschlafen wie ein Stein.

 

 

 

 

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Norden. Wieder fast ausschließlich auf Single Track Roads und obwohl alle Leute immer nett grüßen und sich bedanken, nervt das Anhalten an den Passing Places doch irgendwann und man würde lieber einfach gemütlich langhin rollen und die vorbeiziehende, märchenhaft anmutende Landschaft mehr genießen können. In Durness angekommen war ich erstmal dankbar, dass der vorhergesagte Regen noch nicht eingesetzt hatte und ich in Ruhe die tollen Strände an der Nordküste erkunden konnte. In der Gegend um Durness kann man durchaus einige Tage verbringen, ohne das Langeweile aufkommt. Ich hatte eine kurze Unterhaltung mit einem Paar aus York, was schon seit 30 Jahren den Sommerurlaub dort verbringt und die immer noch sehr begeistert von der Gegend sind. Die Highlights für mich waren die Papageientaucher Kolonie und die vielen einsamen Strände am Faraid Head mit ihren türkisfarbenen Wasser (Bild unten). Ich habe dort viel fotografiert, die Papageientaucher beobachtet und war ausgiebig wandern bis mich der Regen und die Midgets dazu bewogen weiter Richtung Ostküste zu ziehen.

 

 

 

 

Auf dem Weg dorthin habe ich noch eine Nacht in der Nähe von Talmine verbracht um ein hölzernes Schiffswrack zu fotografieren. Das Licht wollte aber weder beim Sonnenuntergang, noch beim Sonnenaufgang mitspielen, also entschied ich mich normale Tageslichtaufnahmen und Langzeitbelichtungen mit einer Kombination aus unterschiedlich starken Graufiltern (ND8, ND400) zu erstellen, die ich später vielleicht in Schwarzweiß konvertieren würde. Mit Hilfe der Filter konnte ich auch am Tag mehr als 30 Sekunden belichten und das Ziehen der Wolken im Himmel einfangen. Das tollste in Talmine war aber, dass ich in der Bucht Wale gehört habe und die Naturkulisse mal ohne meine Erzfeinde, die Midgets, genießen konnte. Ich bin auf dieser Reise schon ein paar Mal wegen der Mücken lautstark ausgerastet und hab ihnen gesagt was sie mich alles können. Diese Mückenschwärme können einen echt in den Wahnsinn treiben. Komischerweise waren da aber mal weder Wind noch Mücken. Ich habe es einfach genossen!

 

An meinem Schlafplatz (das dritte Bild von oben) bin ich an diesem Morgen vom Blöken inmitten einer Schafsherde geweckt worden. Die Kollegen müssen sich nachts irgendwann heimlich angeschlichen haben. Nach einem guten Frühstück ging es dann entspannt weiter Richtung Duncansby Head und wieder rein in den Regen. Ich habe dort eine Weile auf besseres Wetter gewartet und bin die Location mehrmals abgelaufen um mir verschiedene Bildkompositionen anzugucken, habe die neuen Rohdaten von den CF Karten mal wieder auf die Festplatte überspielt, ein Buch gelesen usw., aber das Wetter wollte einfach nicht besser werden, also entschied ich mich irgendwann weiter Richtung Süden zu fahren. Nichtsdestotrotz konnte ich dort ein paar Bilder machen mit denen ich ganz zufrieden bin, wie dieses mit den beiden Schafen und den Duncansby Stacks im Hintergrund.

 

 

 

 

Weiter im Süden, ungefähr auf Höhe von Inverness, hat dann der Dauernieselregen aufgehört und das Wetter wurde wieder besser. Ich entschloss mich noch einen kleinen Umweg zu fahren um mir Portknockie anzusehen und den Bow Fiddle Rock zu fotografieren. Der kleine malerische und verschlafene Ort direkt an der Küste fasziniert mich irgendwie, fiel mir schon bei der Planung und dem Scouting mit Google Street View / Maps im Vorfeld der Reise auf und war definitiv den Umweg wert. Zum Sonnenuntergang bin ich dann aber weiter Richtung Süden, an Aberdeen und dem Großstadtgetummel vorbei, zum Dunnottar Castle (Bild unten) gefahren und konnte ein Bild mit tollen Wolken und einer schönen Lichtstimmung während der goldenen Stunde schießen. Später wollte ich eigentlich noch am Strand dort Aufnahmen von ein paar markanten Seastacks machen, aber die Gezeiten und das Licht machten mir da einen Strich durch die Rechnung. Man kann nicht alles haben. In der Nähe gab es einen tollen Parkplatz am Waldrand vom Dunnottar Forest, wo ich die Nacht in Gesellschaft von ein paar Schweizer Campern verbracht habe.

 

 

 

 

In den folgenden Tagen bin ich weiter südwärts gefahren und habe dann meine letzte Nacht auf der Insel wieder am Hadrians Wall verbracht, wo ich auch schon die erste Nacht verbracht hatte. Dort war ich noch einmal ausgiebig wandern und habe einfach die wundervolle Landschaft genossen, und zwar auch mal ohne Kamera in der Hand und ohne an mögliche Fotos zu denken.

 

Dann ging es wieder auf die Fähre von Newcastle nach Amsterdam, diesmal bei ruhiger See, dafür mit ein paar sehr betrunkenen englischen Soldaten, die seit vier Jahren in Paderborn stationiert sind (wo Leipzig liegt wussten sie allerdings nicht) und mit denen ich eine lustige Unterhaltung auf der Fähre hatte. Ansonsten habe ich an Bord schon mal die Annehmlichkeiten der Zivilisation wie die Dusche und Wifi ausgenutzt. Am letzten Tag ging es dann mit einer unspekatulären, aber dennoch sehr anstrengenden Fahrt von der Küste, quer durch die Niederlande und Deutschland, zurück nach Leipzig. Auf der langen Fahrt konnte ich die Reise schonmal geistig revue passieren lassen. Das war also meine Schottlandreise. Was mir auf dieser Reise wieder aufgefallen ist, dass wenn man alleine unterwegs ist, obwohl man die Erlebnisse nicht direkt mit jemanden teilen kann, solche Erfahrungen irgendwie immer besonders intensiv sind. Man kommt auch eher mit fremden Leuten ins Gespräch und lernt die Einheimischen besser kennen. Ich habe die Schotten zum Beispiel, entgegen meinen Erwartungen, durchweg als ein sehr nettes und freundliches Völkchen kennengelernt. Während der Reise schienen mir das über-geregelte Leben und der von Ablenkungen geprägte Alltag zuhause in Deutschland Lichtjahre enfernt zu sein. Wenn überhaupt, habe ich sehr selten daran gedacht, weil ich immer viel zu sehr mit dem unmittelbaren Hier und Jetzt beschäftigt war, was auch ein Ziel dieser Reise war, Abstand vom Alltag zu bekommen (gilt wohl für die meisten Reisen). Rückblickend bin ich mit den Abenteuern und Erfahrungen meiner Schottlandreise - Positive wie Negative - wie auch nicht zuletzt mit den entstandenen Bildern sehr zufrieden.

 

Alle Bilder der Reise gibt es in der Schottland Galerie zu sehen.

 

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Published 3 years and 3 months ago by Dave

 



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